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Renault Zoe 135R (Elektro) 52 kWh

Der hier vorgestellte Zoe 135 ist eine Weiterentwicklung von 2019 mit wesentlich stärkeren Motor und grösserer Batterie. Damit erhöht sich seine Konkurrenzfähigkeit deutlich. Die Karosserie wurde in Details geliftet, durchaus mit Erfolg. Ich meine, die Front sieht jetzt etwas rassiger aus. Bei Renault gibt es kein Verbrennermodell mit derselben Form.

Ich habe ihn am 7.8.2020 getestet. Er hat ein übersichtliches Armaturenbrett mit Digitalanzeigen für Geschwindigkeit, Ladungszustand, Momentanverbrauch, Durchschnittsverbrauch seit Nullstellung, Tempomat-Daten, Fahrmodus (Eco, Normal).
In der Mitte des Armaturenbretts dient ein multifunktionaler Bildschirm zur Steuerung von Einstellungen diverser Funktionen wie Navigation, Radio, andere angeschlossene Audiogeräte und Telefonmodul.

Die Lenkradtasten steuern Lautstärke, Regelung des Tempomaten, Anzeige des Bordcomputers, Telefonbeantwortung, Horn.
An Lenkstockhebeln werden Lichtfunktionen, Scheibenwischer und Lautstärke der Tonwiedergabe gesteuert. Der Lautstärkeregler wird leider durch das Lenkrad in Geradeausstellung verdeckt.

Was ist das Besondere am Elektrischfahren?

Der Motor zieht vom Stillstand an gleichmässig los und läuft praktisch geräuschfrei. Subjektiv nimmt man die Beschleunigung nicht so stark wahr, aber 0-100 in 9.5 Sekunden sagt aus, dass der Zoe recht stattliche Beschleunigung hat, wenn man das Fahrpedal ganz hinunterdrückt!


Fahreindrücke, Verbrauch

Das Fahrgefühl kann man bezogen auf den Antrieb mit "gelassen gleiten" beschreiben.
Bei Bergabfahrt gibt es drei Arten, die Motorbremse (Rekuperation, Energierückgewinnung) einzusetzen:
* In Schalthebel Stellung "D" (normale Stellung) vom Gas gehen > ca 20% Rekuperation;
* den Schalthebel durch Bewegung nach hinten in Stellung "B" bringen > Rekuperation ca 50%;
* die Fussbremse betätigen > Rekuperation ist steigerbar bis zu 100%, danach setzt bei höherem Pedaldruck die mechanische Radbremse ein, welche man aber nur abwärts vor einer Haarnadelkurve braucht, falls man "B" zu spät eingeschaltet hat.
Es ist sehr praxisgerecht, dass die Umschaltung von "D" auf "B" und zurück mit dem Wählhebel erfolgt, weil dieser blind bedient werden kann.
Diese Art Motorbremse mit Rückspeisung von elektrischer Energie in die Batterie ist grossartig, verlängert die Reichweite und schont die Scheibenbremsen enorm. Nie hat Bergabfahren so viel Spass gemacht.

Bei den Messwerten laut Bordcomputer stellte sich heraus: Bergfahrt braucht rund 36 kWh/100 km, bezieht man aber die Talfahrt in die Messung mit ein, kommt ein Wert von 15 kWh/100 km heraus, im Vergleich zur Stadtfahrt mit ca. 12 kWh ein sehr guter Wert. Auf der Landstrasse mit geringen Steigungen/Gefälle verbrauchte er 12.9 kWh/100 km. Für die Verbrauchsbestimmung Autobahn ermittelte ich gemäss Bordcomputer 13 kWh Verbrauch bei Tacho 100, 16 kWh bei Tacho 110 und 21 bei Tacho 120. Der überproportionale Anstieg folgt dem physikalischen Gesetz des Luftwiderstandes, der mit dem Quadrat der Geschwindigkeit zunimmt. Die "oekonomische" Autobahngeschwindigkeit ist wohl mit 110 km/h anzugeben.
Auf meiner Teststrecke mit 23 km Berg/Tal, 46 km Landstrasse, 13 km Autobahn mit 100-120 km/h und zuletzt 12 km hügelige Strecke mit mehrheitlich Steigung verbrauchte er im Schnitt 14.4 kWh/100 km.
Bei meinem verbrauchsoptimiertem Fahrstil und vorwiegend ebener Landstrasse ist eine Reichweite von 360 km möglich.
Dabei wurden immer die erlaubten Geschwindigkeiten gefahren und normal zügig beschleunigt. Am Berg nutzte ich den Normalmodus, in der Ebene den ECO-Modus.

Technische Daten, Abmessungen
Motor: Elektromotor, Antrieb auf Vorderräder, nur eine Übersetzung.
Max. Leistung 136 PS
Max. Drehmoment 245 Nm
Max. Geschwindigkeit 140 km/h (geregelt).
Max. Ladeleistung 22 kW an Wechselstrom
Gewicht: 1550 kg.
Reichweite nach WLTP 335 km.

Wendekreis: 10.8 m
Im Eco-Modus reagiert der Motor nicht so akkurat auf Pedalbefehle und spart damit Energie. Drückt man allerdings zum Überholen das Fahrpedal ganz durch, steht die volle Leistung zur Verfügung.
Das Ueberholmanöver ausserorts, als Beschleunigung von 60-100 Km/h aufgefasst, erledigt er in 5.3 Sekunden.
Wer die Reichweite optimieren will, fährt im Eco-Modus und gibt zum Beschleunigen nur etwa halbe Power. Er fährt auf möglichst vorausschauende, ausgeglichene Weise, sog. "EcoDrive".
Dank dem relativ geringen Wagengewicht von 1450 kg kommt man mit diesem Fahrstil immer zügig voran. Die Konkurrenten wiegen: VW ID.3 1720 kg, VW Golf E 1600 kg, Nissan Leaf 1570 kg, Opel Corsa E 1450 kg.


Aussenabmessungen: Länge 409 cm
Breite 178 cm
Höhe 156 cm

Innenmasse:
Breite vorn 140 cm
Innenlänge vom Fahrpedal bis zur Rücksitzlehne 181 cm
Knieraum hinten, wenn Fahrersitz nach hinten gerückt ist 58 cm
Kantenhöhe Rücksitz über Boden 30 cm
Der Innenraum ist in Höhe und Breite leicht grösser als beim VW Polo, allerdings nicht in der Länge. Wird der Zoe mit 4 Personen beladen, so sitzen die hinteren Passagiere etwas beengt, je nach Körpergrösse.

Der Kofferraum fasst nach Norm 290 L, (meine Messung/Berechnung ergab 340 L) und darf als relativ gross für ein solches Auto bezeichnet werden. Die Vordersitze sind breit, aber etwas weich in der Polsterung geraten. Eine Höhenverstellung fehlte im getesteten Modell, für mich stimmte aber die Sitzhöhe gut. Dazwischen gibt es 2 Getränkehalter und auf Wunsch eine Armlehne.
Fahrkomfort, Handhabung

DIe Vorbereitungen zur Fahrt sind denkbar einfach: Fussbremse betätigen, Start-Knopf, D einlegen und Fahrpedal drücken. Einfacher geht es nicht.
Die Federung ist ein Kompromiss aus straff und komfortabel. Verglichen mit Opel Corsa E und Nissan Leaf II fand ich den Zoe eine Stufe weicher, was für mich klar ein Vorteil ist. Das Auto liegt gut auf der Strasse und hat in Kurven wenig Seitenneigung. Ein Polster an der Mittelkonsole sorgt dafür, dass das Bein des Fahrers weich anliegt; dieses Detail ist nützlich und komfortabel und stünde vielen teureren Wagen auch gut an.

Die Fahrgastzelle ist sehr verwindungssteif, die Lenkung leichtgängig und äusserst präzis. Beim Durchfahren von Wechselkurven kam mir der Begriff "Go-Kart-Feeling" in den Sinn, so genau und agil wirkt das Zusammenspiel von Fahrwerk und Lenkung. Das Fahrzeug bleibt auch bei schneller Gangart sehr stabil in Kurven und auf Geraden. Der Wendekreis ist angenehm klein. Windgeräusche sind ab 80 km/h schwach vernehmbar.

Die Verbrauchsmessung kann jederzeit durch die Taste "OK" rechts im Lenkrad auf Null gestellt und neu gestartet werden.

Lenkradtasten: Links sind jene für den Tempomaten, rechts ist die Bedienung der Musikanlage und des Telefonmoduls.
Der Tempomat funktioniert sehr genau und ist leicht zu bedienen.

Weitere Funktionen: Klimaautomatik, Berganfahrhilfe, 6 Lautsprecher.
Der Zoe hat eine elektrische Handbremse, die beim Abstellen automatisch (!) aktiviert und beim Wegfahren gelöst wird. Auch hier: sehr gute Bedienerfreundlichkeit. Ein Spurhalteassistent ist vorhanden; ihn habe ich nicht getestet.


Fazit
Der Renault Zoe 135 ist schnell, wendig, handlich, praktisch, extrem leise, sehr gut verarbeitet. Er hat sehr gute Fahreigenschaften, durchdachte Details und gibt sich keine Blössen; in seiner Klasse wohl einer der Besten.
Das Stiling aussen und innen ist modern und originell. Er verbraucht bei vorausschauendem Oeko-Drive wenig Energie und ist sehr gut ausgestattet. Vermutlich wird Renault - in Anbetracht des kommenden VW ID.3 mit einer 77 kWh-Batterie - auch noch eine Variante mit mehr Ladekapazität nachschieben. Damit wären beachtliche Reichweiten von 500-530 km möglich.
Die Klimaanlage arbeitet wirkungsvoll und leise. Gut: Für grosse Fahrer ist die Möglichkeit der Sitzverstellung nach hinten lang genug (ich bin 1.82 m gross). Das Innenraumgefühl ist durch die stattliche Höhe sehr gut. Ich kann mir auch längere Reisen mit dem Zoe gut vorstellen, er vermittelt kein Kleinwagen- oder Stadtauto-Gefühl.




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