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Seat Leon FR e-Hybrid (2020)

Steckbrief

Hubraum 1.4 Liter, Benzin plus 102 PS-Elektromotor, Plug-in-Hybrid
Turbolader, Verdichtung 10.0:1
Systemleistung beider Motoren: Max. Leistung 204 PS bei 5000/Min
Max. Drehmoment 350 Nm bei 1500-3500/Min
Max. Geschwindigkeit 220 km/h
Karrosserieform Schrägheck
Antrieb Vorderräder
Schaltung Automat 6 Stufen (DSG, Direktschaltgetriebe, Gangwechsel ohne Zugunterbrechnung)
Gewicht 1540 kg (ohne Fahrer)
Zuladung 521 kg
Offizieller Verbrauchswert (WLTP) kombiniert 1.5 L/100 km
Mein Verbrenner-Verbrauch 4.9 L/100 km (ebene Landstrasse, nur Benzinbetrieb)
Mein reiner Elektro-Verbrauch 20.3 kWh/100 km (Landstrasse mit Hügel 300 m auf- und abwärts)

Neupreis ab Fr. 38'450.- netto.
Wagenklasse:
Der Seat Leon gehört zu den "Kompakten" wie Audi A3, VW Golf, Ford Focus, Opel Astra, BMW 1er-Reihe; er ist jedoch aufgrund seines verlängerten Radstandes innen etwas länger als der Durchschnitt dieser Klasse.

Modellneuerungen
Ab Jahrgang 2020 ist er aussen neu gestylt, mit schärferen Konturen, ausgeprägteren Kanten am Heck, stärker vorgestreckter Front und mit völlig neuen digitalen Armaturen. Die Anzeigen von Drehzahl und Geschwindigkeit werden ergänzt durch Informationen zu Verbrauch, Ladezustand Batterie, Strecke, Zeit, Aussentemperatur, Benzinvorrat, Sollgeschwindigkeit des Tempomaten und der aktuell erlaubten Höchstgeschwindigkeit. Wahlweise können andere Parameter eingeblendet werden, oder in der Mitte des Fahrerdisplays wird ein Ausschnitt der Navigationskarte dargestellt.

Das zentral eingebaute zweite Display dient der Steuerung sehr vieler Funktionen: Klima, Elektromodi (ausschliesslich E oder Hybrid), Fahrassistenten wie Abstandsregelung, Spurhaltung, Drive-Profil und der Anzeige aller Bordcomputerdaten. Das Display ist hochauflösend, zeigt satte Farben und reagiert rasch auf Befehle.

Lenkung und Fahrwerk wurden überarbeitet und bieten noch mehr Bedienungskomfort als im Vorgängermodell. Der e-Hybrid ist zudem 250 kg schwerer als der reine Benziner mit 1.5 L Hubraum, das Fahrwerk musste entsprechend angepasst werden.

Raumangebot, Bedienung
Vorn und hinten haben auch grosse Erwachsene sehr gut Platz. Der Innenraum ist in Breite und Länge je 2 cm grösser als jener des Golf 7.

Die Sitze und das Lenkrad bieten sehr gute Verstellmöglichkeiten, die Seitenführung der Sitze ist top. Das Kreuz wird gut abgestützt, es ist eine verstellbare Lordosenstütze vorhanden.
Die Übersichtlichkeit der Karrosserie nach hinten ist durch die breite C-Säule etwas eingeschränkt, sonst bieten die Fenster eine gute Rundumsicht. Eine Rückfahrkamera ist an Bord.
Der Kofferraum wird beim Hybrid mit 270 L angegeben, nach meiner Messung sind es 333 L. Der reine Benziner hat 380 L.
Der Innenraum ist optisch eher nüchtern gestaltet. Auf Höhe der Fensterunterkante befindet sich eine schmale Ambiente-Lichtleiste rund um das Armaturenbrett, die im Bereich der linken Tür auch als Totwinkelwarner dient und stylisch aussieht. Von den Farben her herrschen sonst Grautöne vor.


Motoren
Der 1.4-Liter Vierzylinder-Benzinmotor gehört zu den verbreitetsten im VW-Konzern; Modelle des VW Polo, Golf, Touran, Caddy, Skoda Octavia, Seat Leon fahren damit. Er arbeitet extrem laufruhig und sparsam und hat dank Turbolader und Ladeluftkühlung gute Durchzugswerte. Er entwickelt im unteren Drehzahlbereich bereits ab 1600/Min. ordentlich Kraft, ähnlich einem Diesel, so dass er schaltfaul gefahren werden kann. Kreisel im 3. oder 4. Gang zu befahren, ist oft möglich. Er ist mittlerweilen der 'zweitkleinste' Vierzylinder bei VW und leistet je nach Auslegung 110, 125, 140 oder 150 PS wie hier im Leon E-Hybrid.

Der Elektromotor leistet max. 115 PS und ist vom Motormanagement her als Prio-1-Antrieb bestimmt. Solange genug Strom in der Batterie ist und man nicht die volle Leistung abruft, fährt man elektrisch, bis 130 km/h! Die Kombination dieser zwei Antriebe gibt es seit einigen Jahren im Golf GTE.

Bei Bedarf - je nach Batteriezustand und Fahrpedalstellung - wird der Benzinmotor zugeschaltet, was völlig rucklos vonstatten geht. Das sanfte Anspringen des Benziners ist dem Elektromotor geschuldet, der viel feiner agiert als ein gewöhnlicher Anlasser. Das Bordnetz arbeitet mit 48 Volt.
Das Instrument links zeigt im unteren linken Viertel einen Kreissektor an, der teilweise grün (Charge, Ladestrom) und teilweise blau (Power, Stromentnahme zum Antreiben des E-Motors) ist. Hier kann der aktuelle Stromfluss jederzeit abgelesen werden. Im folgenden Bild sieht man, dass der Elektromotor mit 30% Leistung läuft, der Benzinmotor steht und der Ladezustand 30% beträgt. Weiter wird der Stromverbrauch seit Start mit 23.1 kWh/100 km angegeben. Der ist untypisch hoch, weil vor der Fahrt die Heizung/Ventilation ein paar Minuten im Stand lief.


Mit dem eingebauten Lader kann an der Steckdose mit 2.3 kW (6 Std.) oder bei 4 kW (4 Std) geladen werden. Die Batterie hat eine Kapazität von 12.8 kWh.

Fahrleistungen, Verbrauch, Rekuperation
Wenn der Fahrer Gas gibt, steigt die Länge der blauen Linie an, und wenn sie 100% erreicht, wird der Benzinmotor automatisch hinzugeschaltet. Das funktioniert alles ganz geschmeidig und fast lautlos, so wie man es in einem Jaguar oder Mercedes erwarten würde. Werden beide Motoren im Verbund verwendet, entwickelt der Leon eine rasante Beschleunigung.
Das Motormanagement kann natürlich nur optimal funktionieren, wenn Getriebe und Kupplung automatisiert sind. Darum gibt es diesen Wagen nicht mit manueller Schaltung.


Die Vorteile des Hybrids sind abgasfreie Stadtfahrten, Energierückgewinnung beim Bremsen und Bergabfahren, dadurch weniger Benzinverbrauch insgesamt, mehr Kraft, wenn es zum Überholen notwendig ist. Wo er keine wesentlichen Vorteile bringt: Wenn jemand praktisch nur auf der Autobahn unterwegs ist, wo Bremsmanöver seltener und der Luftwiderstand hoch ist, da wird der Elektroantrieb nicht weit reichen, sondern der Benzinmotor ist fast immer im Einsatz.

Anmerkung zu den Verbrauchsangaben: Bei dieser kurzen Testfahrt musste ich mich auf den Bordcomputer verlassen. Mein Fahrstil ist 'Eco-Drive', das heisst zügig, vorausschauend und einigermassen ausgeglichen.

Strom-Verbrauch:
Im reinen Elektrobetrieb 20.3 kWh/100 km, was typischerweise auch 16-18 kWh sein könnte. Meine Strecke führte über eine Steigung von 300 Höhenmetern und jenseits hinunter, total wurden 46 km mit 82% der Batterieladung zurückgelegt.
Die Praxisreichweite beträgt demnach rund 60 km rein elektrisch.
Mir fiel auf, dass die Aufwärtsfahrt rund 30% der Ladung verschlang, dass aber die Rekuperation gleich weit abwärts nur 2 % Ladungszuwachs ausmachte. Die Fähigkeit der Batterie, Energie aufzunehmen, ist offensichtlich nicht so ausgeprägt wie bei reinen Elektroautos.

Benzinverbrauch im Betrieb bei fast leerer Batterie: 4.9 L/100 km. Das ist sehr wenig für ein so potentes Auto mit einem Gewicht von 1.54 Tonnen. Die gemessene Strecke von 40 km beinhaltete vorwiegend Landstrasse, 10 km Autobahn/Autostrasse, mit 80-110 gefahren, und etwas Innerortsstrecke. Der Benzinverbrauch ist sicherlich auch deshalb günstig, weil die Motorcharakteristik und die Automatiksteuerung sehr tiefe Drehzahlen bevorzugen. Das senkt nicht nur die Treibstoffkosten und den CO2-Ausstoss, sondern schont die Mechanik von Motor und Getriebe und senkt die Lärmimmissionen. Ausserdem sind die Drehzahlsprünge beim Schalten dann klein, das schont die Trennkupplungen.

Zum Vergleich:
Ein Volvo V40 T4 Automat mit 190 PS verbraucht, ebenfalls ökologisch gefahren, 7.2-7.5 L/100 km.
Ein Mazda 3 (siehe Link) mit aufwendig konstruiertem Magermotor, 180 PS, verbraucht unter ähnlichen Bedingungen 6.2-6.6 L/100 km, hat aber nur ein Drehmoment von 224 Nm bei 3000/Min., während der Leon über 350 Nm ab 1550/Min verfügt. Da ist der Leon wesentlich kräftiger.

Die Reichweite beträgt dank dem 40-L-Tank bei einem vorsichtig kalkulierten Verbrauch von 5.5 L 727 km plus 60 elektrische km = 787 km.

Fahrleistungen
Beschleunigung 0-100 km/h in rassigen 7.4 Sekunden,
Überholmanöver, also Beschleunigung 60-100 in nur 3.6 Sekunden! Das sind gewissermassen Sportwagenwerte.





Getriebe, Tempomat, Rekuperation
Die Abstufungen der 6-Gang-Automatik sind sehr gut. Der Schalthebel auf der Mittelkonsole ist nur sehr kurz; im "D" Drive schaltet er früh hoch, zieht man 1x nach hinten, ist der Sportmodus eingeschaltet, dann ist das Drehzahlregime höher. Zum Wegfahren muss die Fussbremse, dann der Startknopf gedrückt und der Schalthebel auf D gestellt werden; sobald der Fuss von der Bremse geht, beginnt das Auto langsam zu rollen. Zum Abstellen: Anhalten, "P", Stopknopf.
Die Gangwechsel werden je nach Gaspedalstellung sehr rasch und ruckfrei vollzogen. Im Alltagsverkehr in lockeren Kolonnen wird die Drehzahl vorbildlich tief, d.h. auf 1600-2200 Umdrehungen/Min. gehalten.
Manuell kann via Schaltwippen am Lenkrad eingegriffen und Schaltvorgänge gesteuert werden. Eine sehr clevere Nutzung des Tempomaten ist bei Bergabfahrten möglich: Man gibt die gewünschte Geschwindigkeit ein und das Management sorgt dafür, dass die Rekuperation so stark ist, dass der Wagen nicht schneller wird. Komme ich vor eine Haarnadelkurve, stelle ich die Sollgeschwindigkeit auf 30 ein, dann bremst er automatisch genügend ab. So muss es sein.
Auf dem Lenkrad gibt es 2 Tasten zum Erhöhen/Verringern der Geschwindigkeit um jeweils 1 km/h, weitere 2 Tasten für die Erhöhung/Verringerung um 10 km/h, wie aus dem letzten Bild ersichtlich ist. Eine sehr gute Lösung!
Vor Dorfeinfahrten erkennt der Leon selbst das Signal "50" und reduziert die Geschwindigkeit rechtzeitig von 80 auf 50 km/h.
Eine Besonderheit bietet der Leon e-Hybrid: Wenn man das Fahrpedal in der Ebene loslässt, "segelt" er weiter, der Benzinmotor wird abgeschaltet, der Elektromotor zieht keinen Strom und der Wagen verlangsamt die Fahrt ganz leicht, bis man entweder bremst oder wieder Gas gibt. Bei wenig Gas zieht der Elektromotor, bei viel Gas springt der Benziner wieder an und zieht mit.

Für das elektrische Fahren stehen 3 Modi zur Verfügung: Eco, Normal, Sport. Die Einstellungen wirken sich auf die Intensität aus, mit der der Elektromotor auf Fahrpedalbefehle reagiert.

Sitz- und Fahrkomfort, Kurvenverhalten, Langstreckentauglichkeit
Der Sitzkomfort, die Sicht nach vorn und die Erreichbarkeit der Bedienungselemente ist hervorragend. Das Fahrwerk ist straff abgestimmt, aber nicht hart. Es muss den Kräften des Wagens beim Fahren gewachsen sein, und diese Erwartung wird vollständig erfüllt. In Kurven ist kaum eine Seitenneigung zu spüren, es gibt auch kein "Bremsnicken". Der Leon fährt wie auf Schienen. Die Lenkung ist bei allen Geschwindigkeiten sehr leichtgängig, der Fahrer empfindet den Leon so handlich, als ob er nur 1100 kg wie ein Polo wiegen würde. Wechselkurven mit zügigem Tempo zu nehmen, ist das reinste Kinderspiel. Die Lenkung ist sehr zielgenau und gibt eine gute Rückmeldung über die Vorderräder. Obwohl beide Motoren vorn eingebaut sind, fühlt der Leon sich nicht wirklich frontlastig an.

Geräusch: Es ist absolut erstaunlich, wie gut die SEAT-Entwickler den Benzinmotor akustisch abgeschirmt haben, bei niedrigen Drehzahlen hört man ihn praktisch nicht; der Elektromotor summt nur leise. Erst ab 3000/Min. gibt der Verbrenner allmählich ein deutlicheres Surren von sich, welches aber dezent bleibt. Ab 80 km/h sind mässige Windgeräusche hörbar, die etwas ausgeprägter als beim Vorgängermodell sind.
Ich halte den Seat für absolut langstreckentauglich.


Mein gefühlsmässiger Gesamteindruck
Der Seat Leon FR e-Hybrid ist ein hochtechnisierter, sehr fahraktiver und gut ausgestatteter Wagen, der in den meisten Belangen seine Klassenkonkurrenten schlägt.
Das betrifft Verbrauch, Leistung, Platzangebot, Handlichkeit und leise Fahrgeräusche. Seine äussere Form ist langgestreckt, elegant, und seine Ausstattung bezüglich Assistenzsysteme und Motormanagement exzellent. Der intelligente Tempomat hat in Zusammenarbeit mit der Verkehrszeichenerkennung voll überzeugt. Einzig der Spurhalteassistent ist noch nicht ganz ausgereift, er pendelt gelegentlich in der Spur leicht hin und her. Aber wer will in diesem dynamischen Leon schon einen Assistenten fahren lassen? Ich jedenfalls nicht!

Der Hybrid-Leon hat nur einen Gegner, der ihn in Sachen "Klimafreundlichkeit" schlägt: Der Leon TGI mit Biogasantrieb, der im 2021 erscheint. Er ist voraussichtlich 200 kg leichter, hat aber 'nur' 130 PS. Auch damit kommt man zügig voran - und absolut klimaneutral.

Der vorgestellte Leon e-Hybrid ist ein sehr interessantes Fahrzeug für Menschen, die öfter an einem Tag über 400 km zurücklegen müssen.
Für kürzere Strecken sind auch reine Elektroauto wie Nissan Leaf (400-500 km Reichweite), Renault Zoe (320-360 km), Opel Corsa e (300-360 km) oder Peugeot e 208 empfehlenswert.








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