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Honda NC 750 XA

Steckbrief

Leichte Reiseenduro mit Zweizylinder-Reihenmotor
Hubraum 0.75 Liter, Flüssigkeitskühlung
Max. Leistung 55 PS bei 6200/Min
Max. Drehmoment 68 Nm bei 4750/Min
Höchstgeschwindigkeit 170 km/h
Antiblockiersystem, Traktionskontrolle
Möglichkeit, die Tourentauglichkeit mit 2 Seitenkoffern und Topcase zu optimieren
Helm-Staufach vor dem Fahrer
Sehr sparsam im Verbrauch
Grundpreis 2018 Fr. 7'700.-

Modellneuerungen

Mein Modell ist Baujahr 2018 und hat vorn und hinten LED-Leuchten.
Neu sind auf dem Staufach vor dem Fahrer Tankrucksack-Leisten angebracht, die zur Befestigung dienen.

Das überarbeitete Cockpit ist digital (LCD) und sehr kompakt gehalten; es umfasst Tacho, Drehzahlmesser, Kilometerzähler, 2 Tageszähler, Verbrauchsanzeige (Durchschnitt oder Momentanverbrauch), Ganganzeige, Tankuhr, Zeituhr.
Die Drehzahlanzeige wechselt je nach Verbrauch die Farbe; man kann einstellen, dass sie ab einer bestimmten Drehzahl orange wird.

Der Antrieb verfügt über eine zweistufige Traktionskontrolle; eine Stufe ist für die rutschige Landstrasse, eine erlaubt das Durchdrehen der Räder auf weichem Untergrund.
Der Drehzahlbegrenzer setzt beim neuen Modell erst bei 7500/Min ein (früher 6400/Min), was in seltenen Fällen beim Überholen am Berg nützlich sein kann. Im Normalbetrieb drehe ich die Gänge nie so hoch aus.
Der Motor wurde neu mit beschichteten Kolbenhemden ausgestattet, die Ventilsteuerzeiten wurden verändert und die Brennräume überarbeitet, alles Massnahmen zur Reduktion von innerer Reibung und Verbrauch.
Die Honda NC erhielt ein Antiblockiersystem.

Motor, Getriebe, Chassis, Tank

Der 4-Takt-Reihenmotor hat 2 Zylinder und 270° Hubzapfenversatz, was ihm den Klangrhytmus eines V2-Motors gibt.
Bohrung x Hub 80x77 mm. Einspritzung, 8 Ventile, Verdichtung 10.7:1, geregelter Katalysator.
Der "new concept-Motor" hat 2 Ausgleichswellen, welche die Vibrationen sehr wirksam unterbinden. Honda hat die Zahl der bewegten Teile minimiert: Eine Ausgleichswelle treibt zugleich die Oelpumpe an, die Wasserpumpe wird direkt von der Nockenwelle angetrieben.

Die Flüssigkeitskühlung sorgt zuverlässig für einen ausgeglichenen Wärmehaushalt.
Die Lage des stark nach vorn geneigten Motorblocks (Bild) bewirkt einen niedrigen Schwerpunkt, und das macht die Maschine im Kurvengeschlängel leicht beherrschbar. Zudem schafft das Raum für das Staufach vor dem Fahrer, wo kleinere Dinge und Wertsachen sehr praktisch und regengeschützt untergebracht werden können.
Der Zweikammer-Schalldämpfer verfügt über ein Resonanzsystem, das die Lautsärke des Auspuffs verringert; daraus resultiert ein dezenter Bollerton.

Die NC 750 ist auf druckvolle Leistung im unteren und mittleren Drehzahlbereich ausgelegt. Spezielle Brennräume und Ansaugwege begünstigen dieses Layout. In der Praxis hat die NC wirklich erstaunlich viel Drehmoment und fühlt sich sehr erwachsen an, und die Fahrerin muss nicht für jeden Beschleunigungsvorgang zuerst herunterschalten. Ab 2000 kann beschleunigt werden, bei 2500/3000 wird der Durchzug spürbar energischer.

Das sehr leicht schaltbare Getriebe hat 6 Gänge, die angenehm weit gestuft sind. Das passt gut zum elastischen Motor. In lockeren Kolonnen fährt man bei 50 km/h gern im 4. oder gar 5. Gang, ab 80 ist der lange 6. Gang ohne Ruckeln einsetzbar. Das Tourenfahren wird dadurch entspannter, im Gegensatz zu etlichen 600er-Vierzylindern, die eng gestufte Gänge haben und auf denen man "dauernd" am Schalten ist.

Auf Wunsch ist die NC auch mit Doppelkupplungsgetriebe bestellbar! Ich habe diese automatisch schaltende Variante auf ausgedehnten Passfahrten probegefahren und muss sagen: Ein technischer Leckerbissen! Die Schaltpunkte sind in 3 Modi tiefer oder höher einstellbar.
Je nach Fahrergewohnheiten passt immer eine Einstellung. Bei "Drive" schaltet er eher tief, ungefähr so, wie ich in der Ebene oder im leichten Hügelland. Für steilere Passagen kann man einen sportlicheren Modus wählen. Die Gänge können mithilfe von Schaltwippen am Lenker auf Wunsch manuell geschaltet werden, wie man das auch von Personenwagen kennt. Trotz des Luxus eines Automats habe ich mich beim Kauf für das Schaltgetriebe entschieden.

Durch gezieltes Reiten auf der Drehmomentwelle im Bereich 2200-3500 kann der Verbrauch extrem tief gehalten werden. Mein Jahresdurchschnitt liegt momentan bei sagenhaften 3.11 L/100 km, inkl. Passfahrten. Und dabei überhole ich oft und fahre stets die erlaubten Geschwindigkeiten.
Ich erlebte mal eine Mehrpässefahrt an einem warmen Sommertag, bei welcher der Verbrauch 2.98 L/100 Km war... genau berechnet anhand des Messwerks der Tanksäule. Da staunt man nur noch.

Angaben zu den Dimensionen:
Sitzhöhe 83 cm
17-Zoll-Räder
Vorn und hinten je 15 cm Federweg
Showa-Gabel 41 mm
Hintere Radaufhängung mit Zentralfederbein, Federvorspannung einstellbar.
Radstand 1.53 m; Lenkkopfwinkel 27°
Gewicht vollgetankt 220 kg
Anstelle des Tanks hat der Fahrer ein 22-L-Staufach vor sich; der Tank mit 14.1 L ist unter dem Sitz angebracht. Reichweite gut 400 km bei nicht allzu hochtouriger Fahrweise.






Die NC mit Serien-Tourenscheibe

Fahrleistungen, Handling, Komfort

Für die Beschleunigung 0-100 km/h benötigt die NC 750 5.0 Sekunden. Der Überholvorgang 60-100 km/h wird am schnellsten im 2. Gang absolviert und dauert ca. 3 Sekunden.
Die Bremsen sprechen sehr gut an; vorne ist eine 32 cm-Bremsscheibe mit 2-Kolben-Bremszange, hinten eine 24 cm-Scheibe im Einsatz.
Die Federung ist für meine Begriffe eher straff. Auf welligen Fahrbahnen wie bei einigen Alpenpässen vermag sie die Unebeheiten nicht "glattzubügeln" und lässt den Fahrer schon die Strasse spüren. Dafür taucht sie beim Bremsen auch nur wenig ein. Das Lenken ist hingegen ein Leichtes, man beherrscht die Maschine vom ersten Meter an gut.
Der Sattel ist schön breit, und der Kniewinkel dank Sitzhöhe 83 cm moderat.

Die NC hat eine hinterlüftete Scheibe, die den Wind gut abhält, jedoch bei meiner Körpergrösse gut hörbare Turbulenzen am Helm verursacht. Ich habe meine Scheibe deshalb abmontiert, auch weil ich gern den Luftstrom um mich herum spüre. Wenn jemand die NC regelmässig, auch bei Regen, für den Arbeitsweg benützt, kann ich mir vorstellen, dass die Scheibe als Wetterschutz gute Dienste leistet.
Die Schliessanlage von Honda hat ein elektronisches Sicherungssystem. Mit einem kopierten Schlüssel ohne integrierten Chip im Schaft kann der Motor nicht gestartet werden. Mit dem Zündschlüssel öffnet man auch das Staufach und die Verriegelung des Soziussitzes, welchen man hochklappen muss, sobald man Zugang zum Tankstutzen erhalten will.
Die NC hat serienmässig nur einen Seitenständer, für mich kein Nachteil. Ich habe einen Scott-Oiler einbauen lassen, der die Kette unter Fahrt schmiert und brauche daher keinen Hauptständer. Meine Seitenkoffer fassen je 36 L. Dank vorderem Staufach brauche ich kein Topcase. So ist die Maschine windschnittiger, und der Schwerpunkt bleibt tief.

Drei Punkte, die noch verbessert werden können:
Im Cockpit sind die LCD-Ziffern je nach Lichteinfallswinkel recht schwer ablesbar. Und eine eigenartige Funktion hat der Tageskilometerzähler: Nach gut 300 km, wenn die Tankuhr noch 1/5 anzeigt - was eher untertrieben ist - wechselt die Anzeige des Tageszählers in eine "Reserve-Kilometer"-Anzeige, die wohl die noch fahrbare Strecke anzeigen soll. Ihre Werte sind aber für mich nicht immer plausibel gewesen, sie hängen stark davon ab, wieviel Leistung man dem Motor gerade abverlangt. Ausserdem vermisse ich die Angabe beim Tanken, wie weit ich gefahren bin, denn ich setze den Tageszähler immer beim Tanken auf null.
Bleibt noch anzumerken, dass die Leuchtkraft der LED-Scheinwerfer nicht ganz an die Halogen-Doppelscheinwerfer der Varadero heranreichen. Im Lampengehäuse hat es 2 Reihen LED: Die eine ist für den Nahbereich, die andere für das Fernlicht. Beim Aufblenden leuchten beide Reihen. Die Ausleuchtung der Strasse ist gleichmässig und exakt ausgerichtet, und bei echter Dunkelheit ausserorts genügt die Helligkeit auf jeden Fall.

Insgesamt beurteile ich die Alltags- und die Langstreckentauglichkeit als gut bis sehr gut. Für mich sind Tagesfahrzeiten von 6-8 Stunden absolut drin, am liebsten mit einigen Passstrecken. Ein vollwertiger Soziussitz rundet das Angebot ab.




Kleiner Exkurs in die Mechanik

Als langjähriger Besitzer einer schweren Reiseenduro Honda Varadero (1000 ccm, 94 PS, 98 Nm bei 6000, 276 kg) war ich zuerst nicht sicher, ob der Abstieg in die 750-Klasse nicht eine zu grosse Einbusse an Fahrdynamik bedeuten würde. Zumal die NC ja 'nur' 55 PS hat...
Und wie viele Motor-Journalisten schreiben, sei ja die NC ein "Wiedereinsteigermodell". Ist das wahr?

Die Realität kam knallhart zum Vorschein, als ich folgende Berechnungen machte:
Die NC hat einen Leistungsnachteil (PS) von 22 % gegenüber der Varadero. Sie hat aber einen Gewichtsvorteil von 19%. Verrechnet man beide Effekte, so ergibt das: Die Leistungsfähigkeit (PS, Gewicht von Motorrad und Fahrer) ist bei der NC750 nur 5% geringer als bei der mächtig motorisierten, schweren Varadero!
Bezieht man den Vergleich auf die Unterschiede im Gewicht und beim Drehmoment (Vergleichstourenzahl 4700/Min, das Optimum bei der NC), so ergibt sich ein Nachteil für die NC von 14%.
Angesichts dieser Zahlen wundert es mich nicht, dass ich kaum je überholt werde...

Nein, die NC ist eben ein flinkes Liebhabermotorrad für all jene Lebenskünstler, die effizient, ohne viel Lärm und kostengünstig Motorrad fahren wollen, und die schlichte Eleganz und praxisgerechte Detaillösungen zu schätzen wissen. Für all jene, die sagen: Ich brauche mindestens 100 PS! oder: Ich brauche ein schweres Eisen!, ist sie nicht das Passende.
Persönliches Fazit

Die Honda NC 750 ist ein Allroundmotorrad mit echten Tourenqualitäten, kostengünstig im Betrieb, robust, niedertourig ausgelegt, kraftvoll und dauerhaft.
Sie lässt sich ohne grossen Kraftaufwand steuern, hat für ihre Hubraumklasse viel Drehmoment und ist sehr wendig. Die Sitzhaltung ist entspannt.
Extrem praktisch ist der wasserdichte und schliessbare Stauraum vor dem Fahrer und die Platzierung des Tankstutzens unter dem Soziussitz.
Das Cockpit zeigt viele Informationen an. Das ganze Design ist stylisch und von zeitloser Eleganz.
Das Fahrwerk ist komfortabel genug, so dass man nicht nach 1 Stunde bereits wieder absteigen muss.
Dass die 750er-Maschine mit 3.1 - 3.5 L/100 km auskommt, ist verblüffend, andere gleichartige Motorräder brauchen im Schnitt 1-2 Liter mehr.
Mit der NC kann man auch mal nachts um 1 Uhr heimkehren, ohne gleich das ganze Quartier zu wecken.
Das Design ist für eine Reiseenduro eher langgestreckt, Honda hätte das Modell gut auch Mustang nennen können.
Wer die NC als Einsteigermotorrad bezeichnet, bewertet sie offensichtlich zu tief. Nicht umsonst ist sie in Deutschland eines der 10 meistgekauften Motorräder.







Es gibt ein niedrigeres Strassenmodell mit dem gleichen Motor:
die Honda NC 750S
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